Wie lässt sich die Wirkung von entwicklungspolitischer Bildung erfassen? Präsentation einer deutschen Studie

In Salzburg gibt es ein breites Engagement für Entwicklungszusammenarbeit. Über 60 Initiativen sind auf der Homepage Gofair.Salzburg verzeichnet. Und was sehr erfreulich ist: Das Land Salzburg hat die Mittel für Entwicklungszusammenarbeit 2019 deutlich erhöht. Es geht aber nicht nur um „Hilfe in den Ländern des Südens“, sondern auch um „Entwicklung für den Norden“. NGOs fördern in diesem Sinne mit Workshops, Vorträgen und Aktionen wie konsumkritischen Spaziergängen die Entwicklung eines Bewusstseins für eine faire Welt. Doch lässt sich die Wirkung solcher Maßnahmen feststellen und messen?

Jean-Marie Krier von KommEnt Salzburg hat mit PartnerInnen eine umfangreiche Studie dazu für Deutschland verfasst. Zentrale Ergebnisse stellte er am 12. März 2019 in der JBZ-Reihe „Projekte des Wandels“ vor. Mit uns diskutierte die für Entwicklungszusammenarbeit zuständige Landesrätin Andrea Klambauer in dieser gemeinsamen Veranstaltung mit dem Entwicklungspolitischen Beirat des Landes Salzburg und dem Netzwerk Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen. (Titelbild: Referent Jean-Marie Krier mit Moderator Beiratsmitglied Hans Holzinger von der Robert-Jungk-Bibliothek.)

Angebote der entwicklungspolitischen Bildung wirken sowohl auf der Ebene des Wissens wie der Einstellungen und Haltungen, doch es gibt keine „unmittelbare Durchgriffslogik von Wissen auf Handeln“, so Studienautor Jean-Marie Krier. Als fördernde Bedingungen nannte er u.a. die Erfahrung von Selbstwirksamkeit, etwa wenn SchülerInnen bei der Umsetzung eines fairen Schulbuffets mitwirken können, die Freiwilligkeit der Teilnahme, was in Schulen etwa durch modulare Systeme erreicht werden könnte, in denen Freifächer gewählt werden können, sowie durch passende Lernorte. In Deutschland gibt es erste „globale Klassenzimmer“, in denen unterschiedliche Angebote vereint werden. Auch Projekte wie „Fairtrade-Schulen“, „Faire Schulen“ oder „Schulen gegen Rassismus“ können zur Bewusstseinsbildung beitragen.

In der anregenden Diskussion der präsentierten Studienergebnisse mit zahlreichen VertreterInnen entwicklungspolitischer Organisationen in Salzburg wurden u. a. das Verhältnis von Globalem Lernen und Politischer Bildung, die Ermöglichung von Selbstwirksamkeit – ein Beispiel sind die aktuellen Schulstreiks für eine wirksame Klimapolitik – sowie die Rolle der (Neuen) Medien und die Reflexion des Entwicklungsbegriffs angesprochen.

Die demnächst als Buch erscheinende Studie (Waxmann-Verlag) unterscheidet Wirkungen dreier Katergorien: Wirkungen 1. Ordnung: kognitiver Wissenserwerb, Interesse, verändertes Sensibilitätsniveau, Reflexion, Erfahrungen von Selbstwirksamkeit; Wirkungen 2. Ordnung: Persönliche Haltung / Überzeugung, handlungsleitende Orientierungen;
Wirkungen 3. Ordnung: verändertes Handeln , Breitenwirksamkeit. Zudem wird über unterschiedliche Methoden informiert, wie die Wirkung von Bildungsveranstaltungen gemessen werden kann. Ein Thema, das auch für Salzburg spannend ist, wie wohl auch die Grenzen der Messbarkeit von Wirkung anzuerkennen sind, wie Jean-Marie Krier einräumte.

Die Studie kann ab sofort unter www.waxmann.com/buch3923 in der Print-Version bestellt werden (ISBN 978-3-8309-3923-8, 34,90 €). Digital ist die Studie auch in Form einer pdf-Datei unter Open Access zugänglich: diese kann unter dem gleichen Link heruntergeladen werden.

Text: Hans Holzinger Fotos: Reinhard Geiger/JBZ

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